Vergeben tut beiden gut

  • In einer Metaanalyse haben Forscher 128 Studien mit mehr als 58 000 Probanden ausgewertet und dabei primär auf den Zusammenhang zwischen dem Verzeihen und körperlichen Biomarkern wie Stresshormonen geachtet. Eine positive Wirkung beobachteten sie besonders im Hinblick auf die Gesundheit des Herzens. Eine psychologische Intervention, die erfolgreich das Verzeihen förderte, ging unter anderem mit einer deutlich besseren Blutversorgung des Herzens einher. "Die Nachsicht mit der Person, die einem Unrecht getan hatte, trug zur normalen Herzfunktion bei und half, eine breite ­Palette von Leiden – von Bruststichen bis zum plötzlichen Herztod – zu vermeiden", schreiben die Forscher. Auch bei komplexen Erkrankungen wie der Fibromyalgie tat das Verzeihen gut und verringerte die Symptome. Die positive Wirkung der Vergebung erwies sich als unabhängig vom Alter, wobei der jüngste Studienteilnehmer 12 und der älteste 106 war. Geschlecht, Beruf, Ausbildung und andere demografische Eigenschaften spielten ebenfalls keine Rolle. „Je mehr der Mensch verzeiht, desto gesünder ist er generell“, so das Fazit von Lee und Enright. Allerdings nutzt es nichts, sich zum Verzeihen zu zwingen. Das bringt mehr Stress als Entlastung. Heilsam wirkt dagegen das kontinuierliche Arbeiten am Verzeihenlernen. "Das therapeutische Fördern des Verzeihens sollte bei körperlichen Leiden auch als Teil des Behandlungsregimes in Betracht gezogen werden", schreiben die Forscher.

    DOI: 10.1080/08870446.2018.1554185 Quelle: Psychologie Heute 8/2019/Anna Gielas

    "Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Störungen, sondern die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen." (Marianne Fuchs)