Marianne Fuchs

Funktionelle Entspannung - Körpertherapie


FE - Positiv anders

Marianne Fuchs beschreibt die FE als eine Entspannungs-, Selbsterfahrungs- und Therapiemethode, die eigenständig oder in Kombination mit anderen Therapiezugängen angewandt werden kann. Als dialogisches Verfahren geht es in der FE um Beziehung: zu einem selbst, dem Gegenüber und in einer Gruppe auch zu anderen Gruppenmitgliedern. Angeboten werden kleine Gelenkbewegungen und das Nachspüren. Dadurch wird die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Körperregion gelenkt. Die Körperwahrnehmung wird gefördert, ins bewusste Erleben gebracht und das Erlebte versucht in Worte zu fassen.


Ausgangspunkt ist dabei der gesunde Mensch in einem dauernd zu findenden Gleichgewicht zwischen Leib und Psyche. Ist dieses Gleichgewicht gestört, verhindert unser Organismus ein Zurückfinden durch Verkrampfungen und Funktionsbarrieren. Die FE geht davon aus, dass auch der eigene Körper die Fähigkeit und Kräfte zur Selbstheilung besitzt. Ziel ist deshalb zuerst‚ wieder Zugang zu den gesunden Anteilen zu bekommen. Ähnlich einem Akrobaten auf dem Hochseil, der ständig versuchen muss, seine Mitte und sein Gleichgewicht zu finden und zu halten. In der FE geht es vor allem darum, sich zu spüren. Dabei bilden Bewegungsarbeiten, Gelenkbewegungen oder Veränderungen der Sitz-, Steh- oder Liegepositionen, die Grundlagen, um die eigene leibliche Realität zu erleben. Des weiteren helfen sie, im Umgang mit sich selbst sicherer zu werden, und erfahrbare Körpergrenzen als Abgrenzung zu anderen Menschen oder Situationen wahrzunehmen. Dies geschieht zunächst über die Entwicklung von Halt und Vertrauen durch den Kontakt zum Boden. [...] Ganz banal ausgedrückt sind das Berührungspunkte, die man an den Auflageflächen beim Sitzen, Stehen oder Liegen wahrnehmen kann (Gudden 2015, 21 ff).


Anwendungsbereiche

Die FE ist im therapeutischen Setting verortet und wird vor allem bei psychosomatisch erkrankten Menschen angewendet. Dadurch das die FE eine Methode zur Stärkung der Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion ist und es darum geht den Eigenrhythmus wiederherzustellen, findet sie auch Anwendung in der Pädagogik und Beratung. Da die Methode so vielseitig anwendbar ist, wird sie vor allem in der Burn-Out Prävention, aber auch erfolgreich als Kurzintervention bei Panikattacken, zur unterstützenden Behandlung bei Asthma bronchiale und anderen Störungen der Atmung, Migräne, Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden und weiteren Schmerzzuständen, Magen- und Darmbeschwerden und anderen Störungen des Verdauungstraktes, Funktionellen Herzbeschwerden, Angst- und Unruhezuständen, Schlafstörungen, und in der körperorientierten Geburtsvorbereitung eingesetzt.


Leichte Integration in den Alltag

Mit FE nutzen Sie die alltäglichen Pausen sinnvoll. Machen Sie aus jedem "ich warte" ein "ich warte mich" im Sinne des Wortes Wartung wie beim Auto in einer Werkstatt. Wenn Sie an der Kasse, an der Ampel oder im Stau stehen, können Sie mit Funktioneller Entspannung etwas für den eigenen Körper und somit auch für Ihre Gesundheit tun. Dabei bezieht sich der Entspannungsbegriff auf die Grundannahme der Selbstregulationsfähigkeit des Menschen.


Die eigene Kompetenz erweitern

Die Ausbildung bzw. Weiterbildung in Funktioneller Entspannung bietet eine berufsbegleitende körperorientierte Kompetenzerweiterung für unterschiedliche berufliche Handlungsfelder. Die Weiterbildung umfasst mindestens 300 Übungseinheiten und wird durch Lehrbeauftragte der Arbeitsgemeinschaft an verschiedenen Orten im Bundesgebiet und in der Schweiz angeboten. Sie besteht aus umfangreicher körperorientierter Einzel- und Gruppenselbsterfahrung, praxisnah vermittelter Theorie und Supervision eigener Arbeit und beinhaltet Techniken aus der sprachgeführten, körperorientierten Psychotherapie; Ausbildung in Persönlichkeitsbildung und berufsspezifischer Arbeit; psychosomatische Kenntnisse; psychiatrisches Grundwissen; Modelle der Systemischen Therapie, Verhaltenstherapie sowie Erfahrungen in anderen Methoden. Die Arbeitsgemeinschaft Funktionelle Entspannung ist angegliedert an die Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie (dgk) und die European Association for Body Psychotherapy (EABP). Die Weiterbildung wird mit einem Zertifikat abgeschlossen und berechtigt zur Anwendung der Funktionellen Entspannung im jeweiligen Grundberuf. HINWEIS: Eine Qualifizierung zum KörperpsychotherapeutenIn ist nur für approbierte ärztliche und psychologische PsychotherapeutenInnen, psychotherapeutische HeilpraktikerInnen sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutenInnen möglich. Die Weiterbildung ersetzt keine Psychotherapie.


Marianne Fuchs - Funktionelle Entspannung Foto M.Salchert

Hintergrund

Die Funktionelle Entspannung (FE) wurde um 1936 von der Gymnastiklehrerin Marianne Fuchs (1908-2010) begründet. In dieser Zeit behielt ihr Sohn mit ca. 18 Monaten nach einer Bronchopneumonie eine therapieresistente spastische Bronchitis zurück. Wille und Verstand waren aber bei einem Einenhalbjährigen nicht anzusprechen. Durch eine behutsame Beeinflussung des Atemrhythmus und durch minimale, nicht bedrängende Veränderungen seines Brustkorbs besserte sich die spastische Bronchitis des Kindes positiv. Dies gilt als die Geburtsstunde der "Funktionellen Entspannung".

Zitat von Marianne Fuchs
Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Störungen, sondern die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen.

Unter dem Einfluss der Tiefenpsychologie und Anthropologischen Medizin entwickelte Marianne Fuchs zusammen mit Viktor von Weizsäcker die Methode weiter. 1963 folgte sie ihrem Mann nach Erlangen und führte dort ihre Praxis, abermals in enger Kooperation mit der Psychosomatischen Universitätsklinik, fort. Marianne Fuchs wurde im Alter von 90 Jahren als Pionierin der Körpertherapie das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie verstarb am 11.März 2010 im Alter von 101 Jahren. Die Methode der FE versteht sich heute als ein wissenschaftlich begründetes psychodynamisches Körperpsychotherapie-Verfahren.