Ein SpürLern-Verfahren

Funktionelle Entspannung-Methode


FE - Positiv anders

Ausgangspunkt der gesunde Mensch in einem dauernd zu findenden Gleichgewicht zwischen Leib und Psyche. Ist dieses Gleichgewicht gestört, verhindert unser Organismus ein Zurückfinden durch Verkrampfungen und Funktionsbarrieren. Die FE geht davon aus, dass auch der eigene Körper die Fähigkeit und Kräfte zur Selbstheilung besitzt. Ziel ist deshalb zuerst‚ wieder Zugang zu den gesunden Anteilen zu bekommen. Ähnlich einem Akrobaten auf dem Hochseil, der ständig versuchen muss, seine Mitte und sein Gleichgewicht zu finden und zu halten. Die von Marianne Fuchs entwickelte Methode fördert somit die körperliche Selbsterfahrung und ermöglicht einen an den Atemrhythmus gebundenen Entspannungsprozess. Durch (kleine) Bewegungsreize der Gelenke wird die Selbstwahrnehmung des Übenden gestärkt, sodass die Einatmung und die Ausatmung indirekt und nicht bewusst vertieft werden und das vegetative Nervensystem unwillkürlich beeinflusst wird. Durch das zusätzliche Verbalisieren körperlicher Empfindungen entsteht ein Dialog, bei dem unbewusste Störungen und Fehlverhalten aufgedeckt werden können (Lahmann2013, Fuchs 2013, Johnen 2009a).


Der Einstieg

FE-Fachleute arbeiten mit dir auf einer Ebene, auf der Unbewußtes evoziert wird. Sie wissen was sie dir im Augenblick zumuten können. Deshalb ist das Wichtigste, dass Du nicht nur ein Buch liest, sondern die Technik bei einem qualifizierten Lehrer lernst. Idealerweise machst Du das in einer Zeit, in der es Dir gut geht.


Einordnung der Methode

  • Eine körperzentrierte psychodynamische Methode. Ziel ist ein achtsamer, gelassener Umgang mit sich.
  • Arbeitet leiblich mit Halt, Raum, Grenze und Rhythmus. Weniger ist mehr - Geduld und Aufmerksamkeit durch Nachspüren - Sprache finden.
  • Eine körperorientierte Entspannungstherapie. Ausgehend von der Annahme, daß der Körper selbst weiß, was er braucht und was ihm gut tut.

Leichte Integration in den Alltag

Die FE nutzt die alltäglichen Pausen sinnvoll. Mache aus jedem "ich warte" ein "ich warte mich" im Sinne des Wortes Wartung wie beim Auto in einer Werkstatt. Wenn du an der Kasse, an der Ampel oder im Stau stehst, kann du mit Funktioneller Entspannung etwas für deinen Körper und somit auch für deine Gesundheit tun. Dabei bezieht sich der Entspannungsbegriff auf die Grundannahme der Selbstregulationsfähigkeit menschlicher Organismen.


Die eigene Kompetenz erweitern

Die Ausbildung bzw. Weiterbildung in Funktioneller Entspannung bietet eine berufsbegleitende körperorientierte Kompetenzerweiterung für unterschiedliche berufliche Handlungsfelder. Die Weiterbildung umfasst mindestens 300 Übungseinheiten und wird durch Lehrbeauftragte der Arbeitsgemeinschaft an verschiedenen Orten im Bundesgebiet und in der Schweiz angeboten. Sie besteht aus umfangreicher körperorientierter Einzel- und Gruppenselbsterfahrung, praxisnah vermittelter Theorie und Supervision eigener Arbeit. Die Weiterbildung wird mit einem Zertifikat abgeschlossen und berechtigt zur Anwendung der Funktionellen Entspannung im jeweiligen Grundberuf. HINWEIS: Eine Qualifizierung zum KörperpsychotherapeutenIn ist nur für approbierte ärztliche und psychologische PsychotherapeutenInnen, psychotherapeutische HeilpraktikerInnen sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutenInnen möglich. Die Weiterbildung ersetzt keine Psychotherapie.


Marianne Fuchs-Funktionelle Entspannung Foto M.Salchert Hintergrund

Die Funktionelle Entspannung (FE) wurde um 1936 von der Gymnastiklehrerin Marianne Fuchs (1908-2010) begründet. In dieser Zeit behielt ihr Sohn mit ca. 18 Monaten nach einer Bronchopneumonie eine therapieresistente spastische Bronchitis zurück. Wille und Verstand waren aber bei einem Einenhalbjährigen nicht anzusprechen. Durch eine behutsame Beeinflussung des Atemrhythmus und durch minimale, nicht bedrängende Veränderungen seines Brustkorbs besserte sich die spastische Bronchitis des Kindes positiv. Dies gilt als die Geburtsstunde der "Funktionellen Entspannung".

Marianne Fuchs schrieb:
"Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Störungen, sondern die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen."

Unter dem Einfluss der Tiefenpsychologie und Anthropologischen Medizin entwickelte Marianne Fuchs zusammen mit Viktor von Weizsäcker die Methode weiter. 1963 folgte sie ihrem Mann nach Erlangen und führte dort ihre Praxis, abermals in enger Kooperation mit der Psychosomatischen Universitätsklinik, fort. Der große Psychosomatiker Thure von Uexküll, der die FE als eine Methode "das Unbemerkte im Körper zu bemerken“ erkannte, veröffentlichte in diesem Zusammenarbeit das Buch "Subjektive Anatomie". Marianne Fuchs wurde im Alter von 90 Jahren als Pionierin der Körpertherapie das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie verstarb am 11.März 2010 im Alter von 101 Jahren. Die Methode der FE versteht sich heute als ein wissenschaftlich begründetes psychodynamisches Körperpsychotherapie-Verfahren.