Entspannte Muskeln, tiefer Atem

Mit durchschnittlich fünfzehn Atemzügen pro Minute versorgt ein erwachsener Mensch in Ruhephasen seinen Körper mit lebenswichtigem Sauerstoff und scheidet über das Ausatmen Kohlendioxid und andere Stoffwechselendprodukte aus. Die Lunge besteht aus elastischem Gewebe, das durch die umliegenden Muskeln bewegt wird. Das Zwerchfell, das quer zwischen Bauch- und Brusthöhle liegt, senkt sich bei jedem Atemzug in den Bauchraum. Aber auch zahlreiche Muskeln der Rumpf- und Haltemuskulatur sind am Atemprozess beteiligt. Wenn Sie verspannt sind, können die inneren Atemräume nicht voll ausgenutzt werden. Bei Säuglingen kann man beobachten, wie der Atem wie eine Welle durch Brust und Bauch fließt. Diese Vollatmung haben zwei Drittel der Erwachsenen verlernt. Sitzende Tätigkeit, schlechte Körperhaltung, enge Kleidung, Leistungsdruck oder zurückgehaltene Gefühle engen die Atmung innerhalb des Brustraums ein. Dazu kommt: Wer wenig Bewegung hat, kann den Sauerstoff in der Atemluft schlechter nutzen als ein trainierter Mensch. Man muss häufiger atmen. Wer aber flach und hektisch nach Luft schnappt, läuft Gefahr, nicht mehr vollständig auszuatmen – so nimmt man mit dem neuen Atemzug viel der verbrauchten Energie wieder zu sich.


Aus dem Alltag kennt jeder die beruhigende Wirkung von tiefen, langen Atemzügen. Wer sich jedoch darauf konzentriert, eine große Menge Luft einzuatmen, verspannt sich leicht. Im Yoga liegt bei den meisten Pranayama-Atemübungen der Fokus auf dem Ausatmen. Wenn sich die Lunge gründlich leert, kann entspannt frischer Atem nachfließen. Außerdem stimuliert das Ausatmen den Parasympathikus und fährt uns so bei Hektik herunter. Der Atem eines ­Menschen ist so individuell wie sein Fingerabdruck.